Planungsstelle legt Vorschlag für einen Vorentwurf „Vorbeugender Hochwas-serschutz“ vor

In ihrer 10. Sitzung hat die Regionalversammlung per Beschluss den Weg für weitere Abstimmungen mit der Landesplanungsbehörde zum Vorentwurf „Vorbeugender Hochwasserschutz“ freigemacht. Bereits im Oktober 2016 wurde das Konzept zum ersten Mal der Regionalversammlung vorgestellt (siehe Beiträge vom 19.02.2018 und 10.05.2017). Das nun vorliegende Ergebnis des mehrjährigen Erarbeitungsprozesses ist ein Vorentwurf mit sechs möglichen Festlegungen zum vorbeugenden Hochwasserschutz. Ob und in welcher Form der vorgeschlagene Vorentwurf Eingang in einen zukünftigen verbindlichen Gesamtplan finden wird, kann gegenwärtig noch nicht eingeschätzt werden.

Warum Hochwasserschutz im Regionalplan

Extreme Hochwasserereignisse beanspruchen einen großen Raum entlang der Ufer, der nur unter bestimmten Voraussetzungen für menschliche Tätigkeiten wie Wohnen, Gewerbe oder infrastrukturelle Maßnahmen genutzt werden sollte. Die Regionalplanung verfügt über geeignete Instrumente, um zur Lösung dieses Raumnutzungskonflikts beizutragen.

Der voraussichtlich Mitte 2019 in Kraft tretende Landesentwicklungsplan Hauptstadtregion (LEP HR) erteilt den fünf Regionalen Planungsgemeinschaften in Ziel 8.5 folgenden Auftrag: „Gebiete für den vorbeugenden Hochwasserschutz sind im Land Brandenburg in den Regionalplänen festzulegen.“ Die Festlegung soll für HQ extrem-Gebiete unter Einbeziehung der HQ 100-Gebietskulisse und den Flutungspoldern erfolgen. Zudem ist die Regionale Maßnahmenplanung der Hochwasserrisikomanagementpläne zu berücksichtigen.

Gefahrenabwehr und Risikovorsorge

Um Gefahren für Menschen abzuwenden und Sachschäden zu verringern, sollen Standorte für private und öffentliche Gebäude sowie für Infrastruktureinrichtungen in Zukunft so ausgewählt werden, dass sie im Hochwasserfall keinen Schaden nehmen. Bestehende und neue Gebäude sollen so angepasst werden, dass sie ein Hochwasser unbeschadet tolerieren.

Zu diesem Zweck sieht der Vorentwurf die beiden Festlegungen „Vorranggebiete vorbeugender Hochwasserschutz“ und „Vorbehaltsgebiete vorbeugender Hochwasserschutz“ vor. Diese werden nach der zu erwartenden Wassertiefe im Überschwemmungsfall abgegrenzt. Aufgrund der damit einhergehenden differierenden Gefahrensituation für Menschen und Sachwerte sind diese mit unterschiedlich weitreichenden Bedingungen für zukünftige Planungen und Maßnahmen verbunden.

Dem Wasser Raum geben

Zur Dämpfung der Hochwasserwellen muss dem Wasser Raum zur Verfügung stehen, wo es sich ausbreiten kann. Diese Retentionsräume zum Rückhalt des Wassers wurden identifiziert und sind Bestandteil der folgenden Festlegungen.

Ungesteuerte Retention

Geringere Schäden durch Hochwasser können erzielt werden, wenn sich das Wasser auf Flächen ausbreiten kann, wo keine empfindlichen Schutzgüter vorhanden sind. Für den Fall eines Hochwassers sollen daher mithilfe der Festlegung „Vorbehaltsgebiete Potenzialflächen für die Gewässerretention“ bestehende natürliche und unbesiedelte Überschwemmungsflächen entlang des Gewässers als Retentionsraum erhalten werden.

Gesteuerte Retention

Die Gefahr des Hochwassers bleibt mancherorts bestehen, auch wenn alle Maßnahmen des natürlichen Wasserrückhalts ausgeschöpft und entsprechende Schutzvorkehrungen im Sinne der Gefahrenabwehr und Risikovorsorge getroffen werden. Mit künstlich geschaffenen Räumen für die Zwischenspeicherung von Wasser kann ein zusätzlicher Schutz vor hochwasserbedingten Schäden bewirkt werden.

Für die gesteuerte Retention sieht der Vorentwurf daher folgende drei Festlegungen vor: „Vorranggebiet Hochwasserrückhaltebecken Jüterbog“, „Vorbehaltsgebiet Havelpolder“ und „Vorbehaltsgebiet Potenzialflächen für die gesteuerte Retention“. Damit sollen bestehende bewährte Standorte erhalten und in ihrer Funktionsfähigkeit optimiert sowie einzelne neue Standorte für eine mögliche zukünftige Entwicklung gesichert werden.

Wie geht es weiter

Mit dem jetzt vorliegenden Vorentwurf verfügt die Region über ein innerhalb der Region abgestimmtes Plankonzept zum vorbeugenden Hochwasserschutz. Er stellt einen Teilschritt auf dem Weg zu einem zukünftigen integrierten Regionalplan dar. Im nächsten Schritt werden dazu weitere Abstimmungen mit der Landesplanungsbehörde erfolgen.

 

Veröffentlicht am: 22.01.2019